Todsünde Gier – wenn “Alles!” nicht genug ist

Obwohl die Reihenfolge der Todsünden,  laut Erzdiözese Wien, etwas anders verläuft, starte ich meine Beiträge mit der Todsünde Gier. Meine Artikel werden nach meinem Gefühl der Wichtigkeit und des aktuellen Anlasses gebracht.

Ich starte deshalb mit Gier, weil sie sich nach meinem Dafürhalten gerade wie eine Pandemie ausbreitet. Man hat das Gefühl, dass die Wenigen, die echt Geld besitzen, immer mehr wollen. Die Gier der Reichen, gepaart mit dem Neid der Mittel- bis Besserverdienenden, lässt viele andere auf der Strecke.

Wenn ich nicht ein unverbesserlicher Optimist wäre und mich nicht in Kreisen bewegen würde, wo ein Miteinander zählt, wo geholfen, unterstützt und sogar geteilt wird, würde ich echt Angst bekommen.


Doch es gibt sie, jene Menschen, die anderen helfen, die für andere in deren größter Not da sind. Nur wird so vieles als selbstverständlich genommen und leider auch nicht berichtet.

Und es gibt auch die Menschen, die sich von der Gier leiten, antreiben und beeinflussen lassen.

Was bewirkt die Todsünde Gier?

Der Mensch, der der Gier verfallen ist, handelt in den Punkten, in denen ihn die Gier gepackt hat, nicht menschlich.

Warum schreibe ich in den Punkten?
Weil es für mich verschiedene Formen und auch verschiedene Abstufungen von Gier gibt.
Dennoch lässt uns die Gier unsere Menschlichkeit vergessen. All unser Tun, all unser Handeln wird von der Gier bestimmt. Sie nimmt keine Rücksicht auf Werte. Sie will einfach ihr Bedürfnis erfüllen, wie ist ihr egal. Ja – auch das Handeln aus der Gier heraus ist nichts anderes, als das Erfüllen eines Bedürfnisses. Was genau ich meine, erkläre ich dann im Abschnitt über die verschiedenen Formen der Gier.

Über die Todsünde Gier gibt es eine berühmte Sage.
Sie handelt vom König Midas. Seine Gier nach immer mehr Reichtum lies ihn den Wunsch aussprechen, dass alles was er angreife, zu Gold werde. So geschah es auch.
Dieser Wunsch schnitt ihn ganz vom Leben ab, denn jedes Essen, welches er berührte, jeder Mensch, der mit ihm in Berührung kam verwandelte sich in Gold. Dies wurde seiner Tochter zum Verhängnis. Als er sie berührte, verwandelte er sie in Gold und tötete somit seine geliebte Tochter.

Todsünde Gier Midas verwandelt seine Tochter versehentlich in Gold (Walter Crane, 1893)
Midas verwandelt seine Tochter versehentlich in Gold (Walter Crane, 1893)

Diese Sage ist eine gelungene Metapher. Sie zeigt uns damit, dass uns die Gier nicht nur unsere Menschlichkeit nimmt, sondern uns auch extrem vereinsamen lässt.
Wenn man für seine Kinder, seine Liebsten nie Zeit hat und ihnen keine Liebe und Zuneigung schenkt, kann man ihnen noch soviel Gold und Reichtum schenken, man wird sie eines Tages verlieren.”

Die verschiedenen Arten der Gier

Die Gier nach Universellen Bedürfnissen

Die Todsünde Gier kann sich auf diverseste Arten äußern. Sie kann auch oft ihren Auslöser in der Kindheit finden. Ich bin jetzt kein Fan davon, alles auf die Kindheit zu schieben, denn wir sollten im Erwachsenenalter anfangen, für unser Handeln die Verantwortung zu übernehmen. Dennoch, um das zu können müssen wir den Ursprung kennen.

Ein Kind, welches möglicherweise nie gelobt, nie geliebt wurde oder keine Anerkennung gefunden hat, strebt nach dieser, besser gesagt es giert nach Anerkennung. Es wird alles tun, um endlich einmal Anerkennung zu bekommen. Es wird hart arbeiten, härter als alle anderen. Hat es dann das erste Mal Anerkennung erfahren, weiß es, wie schön es ist, welches Gefühl das in ihm auslöst. Vielleicht steht es in diesem Augenblick sogar im Rampenlicht, während es dieses Gefühl genießt? Es spürt sich so gut an, dass es mehr will. Die erwünschte Befriedigung hat sich nicht eingestellt, es wird weiterhin nach Anerkennung gieren.

Diese Gefahr birgt auch die Erfüllung eines Traumes, der Sehnsüchte oder eines Herzensprojekts. Nach langer, harter Arbeit stellt sich endlich der Erfolg ein, man bekommt die Anerkennung, man wird entlohnt. Es wird genossen und auf einmal genügt es nicht mehr, man will mehr und immer mehr. Aus Angst vor Verlustes des Vermögens oder der Anerkennung.
Das wird in dem Filmmusical “The greatest Showman”→ wunderbar dargestellt. Ein Junge aus einer armen Familie verfolgt seinen Herzenstraum und als er ihn sich erfüllt hat, lässt er Familie und Freunde links liegen, um noch mehr Erfolg zu haben.

Gekrönt wird dieser Film mit außerordentlich guter Musik und einem Lied, welches sehr gut passt:

” Never Enough”→

Kaum ist man auf Erfolgskurs, wird es nie genug sein. Wenn man dann nicht aufpasst, lässt man Freunde und Familie links liegen, nur weil die Gier nach mehr schreit und das mit der Ausrede: “Ich mach das doch nur für euch. Meinen Kindern soll es besser gehen als mir.”

Habgier!

Eine andere Form der Gier, eine schrecklichere, niederträchtigere Form, ist die Habgier.
Diese Art der Todsünde Gier lässt uns alles vergessen. Sie beutet nicht nur andere Menschen aus, sondern auch unseren Planeten. Sie treibt den Menschen ohne Rücksicht auf Verluste voran. Lässt Werte ganz aus dem Spiel, sie nimmt sich alles, wenn es sein muss auch mit Gewalt.

Während die anfangs erwähnte Gier, einem zu Handlungen verleitet, um  Bedürfnisse zu erfüllen, die jeder Mensch braucht, dient die Habgier nur zur Erfüllung eines einzigen Bedürfnisses, das Bedürfnis: Macht und Unterdrückung anderer Menschen. Und gerade bei dieser Art von Gier hat man das Gefühl, dass sie sich wie eine Pandemie ausbreitet.

Raus aus der Todsünde Gier!

Der Wunsch nach “mehr” ist ja per se nichts Schlechtes. Hätten wir keine Träume, Wünsche, Sehnsüchte, würden wir heute noch in Höhlen sitzen.
Was für unseren Planeten vielleicht nicht so schlecht wäre, aber das ist eine andere Geschichte 🙂

Ich glaube, es ist ein schmaler Grat zwischen Träume erfüllen und immer mehr wollen.
Die Aufmerksamkeit sollte auf unserem Handeln, auf unserem Tun liegen. Solange wir uns selbst lieben und mit dem, was wir haben zufrieden sind und solange wir das Tempo in unserem Projekt vorgeben und unser Handeln durch unsere Werte bestimmen, solange sind wir auf dem richtigen Weg. Die oben erwähnte Gier nach Anerkennung wird dann enden, wenn wir uns endlich selbst Anerkennung und Liebe schenken, wenn wir uns selbst lieben und anerkennen, wie wir sind.

Fangen wir an, zwanghaft zu handeln, erfinden wir für unser Tun Ausreden. So wie zuvor erwähnt: “Ich mach das nur für uns” Fangen wir an, unsere Werte zu ignorieren, dann verlaufen wir uns auf dem Pfad der Sehnsucht und biegen in den Pfad der Gier ab.

In meinem  Gedicht “Gier”← schreibe ich

Lerne, die Gier zu erkennen.
Lernen, die Gier beim Namen zu nennen.
……
Lerne zu teilen,
gib von Herzen,
aber nimm auch wohlwollend an.

Teilen und geben sind wesentliche Punkte, aber auch das wohlwollend annehmen zu können, ist wichtig. Ich glaube, nur der, der auch wirklich annehmen kann, kann auch von Herzen geben.

Mir gefällt auch die Beschreibung der Gier von der Erzdiözese Wien.
Ganz besonders der Ansatz, die Gier zu Ende zu denken.
Was passiert, wenn ich das erreicht habe? Was geschieht mit mir, mit meinen Gefühlen, wenn ich das bekommen habe? Wonach sehne ich mich wirklich, bei dem Versuch dieses oder jenes zu erreichen?

Das sind Fragen die ihr euch bei allen eurem Tun und Handeln stellen und auch ehrlich beantworten solltet. Der Mensch ist Meister in der Selbsttäuschung 🙂 Ich weiß, wovon ich rede.

Die Fragen nochmal zusammengefasst.

  • Was ist meine Motivation für dieses Projekt?
  • Stimmen meine Handlungen noch mit meinen Werten überein?
  • Mache ich es für mich?
  • Handle ich aus Verlustängsten heraus?
  • Ist es wegen jemand anderem, schiebe ich wen vor?
    Wie z. B. ” Ich tue es nur für euch!”
  • Was geschieht, wenn ich es erreicht habe?
  • Was geschieht mit mir, mit meinen Gefühlen, wenn ich es erreicht habe?
  • Wonach sehne ich mich wirklich?

Danke fürs Lesen und Teilen eurer Sichtweisen zu dem Thema

Euer Mike

Beitragsbild: Erzdiözese Wien

Empfehlungen:

Auf YouTube eine sehr gute Doku über Gier

GIER – Ein verhängnisvolles Verlangen (1) | Dokumentationen

GIER – Ein verhängnisvolles Verlangen (2) | Dokumentationen

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3 Antworten auf „Todsünde Gier – wenn “Alles!” nicht genug ist“

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