Neid und Eifersucht – Invidia

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  1. NEID ist doch nur ein Anagramm auf DEIN.
    So schrieb ich in meinem Gedicht “Neid das Gedicht”. Genaugenommen stimmt das aber nur, wenn man das “ei” als einen Buchstaben sieht. 😉  Trotzdem passt es so wunderbar.
    Neid und Eifersucht sind die nächsten zerstörerischen Sünden, die ich mit euch erforschen möchte. Sie sind nicht ganz identisch, doch treiben sie uns beide in die Einsamkeit. Wie du Neid erkennst und loslassen kannst, erfährst du in diesem Artikel!

Der Neid und sein Wesen!

Genau um dieses “Dein”, wie im Gedicht erwähnt, geht es bei der Todsünde Neid.
Neid kann sehr der Gier ähneln. Ich will immer mehr haben, mehr besitzen, doch hier manifestiert es sich nicht nur in Besitz und materiellen Gütern.

Bin ich auf etwas, auf jemanden neidisch, so vergleiche ich mich mit ihm. Jemand hat ein Auto, auf welches ich neidisch bin. Oder ich empfinde auch Neid auf den Erfolg, das Wissen, die Figur, das Aussehen oder auf das Charisma eines anderen.

Sie kann sich in drei selbstzerstörerischen Arten äußern.

Zum einen kann er sich in Form der Todsünde Gier ausdrücken, dann zerstört er nicht nur einen selbst.
Zum anderen als Missgunst, was dann für mich eher in Groll umschlägt. Die dritte Form ist die des Vergleichens, die einerseits zu Hochmut werden, aber auch in das komplette Gegenteil kippen kann.

Um die Todsünde Neid erkennen und loslassen zu können, sehen wir uns die drei Arten von Neid genauer an.

Neid manifestiert sich als Gier!

Neid, Gier
Neid, Gier Quelle: Pixabay

Ich sehe bei anderen einen tollen Besitz, ein Auto oder dergleichen, und fange sofort an zu schuften und zu ackern, nur um materiell gleich- oder sogar bessergestellt zu sein als mein Kontrahent.

“Brauchen tu ich es nicht,
wollt es nur haben, weil Du es besitzt.”

Ich werde genauso wie bei der Gier, ohne Rücksicht auf Verluste, Mensch und den Planeten ausbeuten, nur um etwas zu besitzen, was ich nicht benötige. Um mein Ego zu stillen und um besser als der andere zu sein. Ich gönne in dieser Form von Neid meinem Kontrahenten alles, aber ich muss es ebenfalls besitzen, ich muss sogar besser sein als er!

Im Gegensatz zu den beiden anderen Formen füttert sie mein Ego und mein Selbstbewusstsein. Wenn auch nicht ganz stimmig denn: Wäre ich bei mir und würde Selbstliebe empfinden, wäre ich nicht neidisch. Aber aus moderner Erfolgssicht kann man zustimmen.

Neid als Form von Missgunst

Neid, Missgunst, Groll
Neid, Missgunst, Groll Quelle: Pixabay

Während Neid in Form der Gier zumindest das Ego füttert, wenn auch nicht zufriedenstellend, verhält es sich bei der Missgunst ganz anders.

Missgunst bedeutet: Ich missgönne jemanden sein Glück, seinen Besitz, sein Aussehen und so weiter. Ich missgönne, doch bin ich nicht dazu bereit, etwas zu ändern. Ich bin nicht bereit, selbst in die Verantwortung zu gehen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und um für das zu gehen, was ich haben will.

 

Im Gegenteil: Ich suche immer nach Ausreden und Schuldigen, die ich für mein Leben verantwortlich mache. Ich bin zwar neidisch auf sein Geld, doch ich missgönne es ihm, weil er in meinen Augen dafür nichts machen hat müssen. Er ist ja, im Gegensatz zu mir, auf die Butterseite des Lebens gefallen.

Diese Abwärtsspirale schlägt sich dann auf das Gemüt. Sie kann aber ebenfalls zu Groll und Hass werden. Weil die anderen immer ein besseres Leben haben und mir das Glück nicht hold ist, mehrt sich der Groll, der Hass auf die Menschen oder aber auch gegen mich selbst.

Neid durch Vergleiche

Neid, Vergleichen
Neid, Vergleichen Quelle: Pixabay

Neid durch Vergleich zieht einen ganz tief runter. Im Gegensatz zur Missgunst gönne ich zwar meinem Gegenüber seinen Besitz, seine Habe, sein Aussehen seinen Erfolg und will auch dasselbe haben wie mein Kontrahent. Aber ich erfinde Ausreden, warum ich es nicht nicht haben kann. Diese Ausreden zielen allerdings nicht, wie bei der Missgunst, auf das Glück des Anderen ab, sondern sie versetzen mich in Groll.

Diese Ausreden wenden sich gegen mich selbst:
“Ich bin zu dumm, ich kann das nicht, ich habe nie Glück …” u.s.w.

Während sich Missgunst auf das Gemüt schlägt, schwäche ich beim Vergleich immens mein Selbstbewusstsein.

Dan Greenberg schreibt in seinem Buch “Die Kunst sich schlecht zu fühlen” auf witzige Art und Weise über das Vergleichen.

Er schreibt: Wer ernsthaft sich das Leben vermiesen will, soll anfangen, sich mit anderen zu vergleichen.

Er hat als erste Übung folgendes vorgeschlagen:

Wir sollen uns mit dem Idealbild eines Mannes oder einer Frau vergleichen. Mit ihren Idealmaßen, aber auch mit dem Aussehen, was halt der Mainstream als attraktiv befindet. Mit diesem miesen, deprimierenden Gefühl gehen wir zur nächsten Übung. Jetzt vergleichen wir uns mit Personen die schon viel erreicht haben. Mit Wunderkindern wie dem sprachbegabten Wolfgang Amadeus Mozart,  der als Jugendlicher schon komponiert hat und sehr erfolgreich war. Das zieht uns noch weiter runter und selbst, wenn man sonst gefestigt im Leben steht, hinterlässt diese Übung Ihre Spuren, wenn man sie zu weit treibt.

Was Neid und Eifersucht gemeinsam haben

Neid, Eifersucht
Neid Eifersucht Quelle: Pixabay
Die Eifersucht zählt bei den Todsünden zum Neid und wird überwiegend im Zusammenhang mit Beziehungen erwähnt.Anstatt “Ich bin neidisch auf seinen Besitz” kann ich auch sagen “Ich bin eifersüchtig auf seinen Besitz”.Doch Eifersucht ist meist ein Thema in Beziehungen. Er oder sie wird eifersüchtig, wenn der/die Partner/in von jemand anderem umschwärmt wird.
Hier ist einerseits mangelndes Vertrauen, andererseits auch die Sehnsucht nach alleinigem Besitz im Spiel.Das Traurige daran ist, dass die meisten Menschen nicht eifersüchtig sein wollen. Sie haben nur in ihrer Kindheit oder in vorangegangenen Beziehungen schlechte Erfahrungen gemacht. Leider führt dieses Verhalten oft zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung und wird wiederum bestätigt.Hier ist man gut beraten, wenn man mit seinem Partner oder mit der Partnerin im Vorfeld darüber spricht und sie oder ihn um Verständnis und Hilfe bittet.

Neid, Missgunst, Eifersucht – wie werde ich sie los?

Ich zeige dir nun eine Übung, die dich dabei unterstützt, Neidgefühle loszulassen:

Zuerst gestehe dir ein, dass du neidisch oder missgünstig bist. Jedesmal, wenn dich dieses Gefühl überkommt, denke dir: “Ah, da bist du schon wieder.”

Akzeptiere es im ersten Schritt und dann sage zu dir selbst: “Ich gönne es ihr von ganzem Herzen. Sie hat es sich verdient, so viel Erfolg zu haben.” Wenn du in die Missgunst oder ins Vergleichen fällst, erinnere dich daran was du besitzt, was du alles geschafft hast. Hierfür eignet sich ganz gut die Dankbarkeitsübung.

Dankbarkeit hilft dir dabei, Neidgefühle loszulassen

Nimm dir am Abend ein paar Minuten Zeit. Versetze dich in eine ruhige Stimmung, zünde eine Kerze an und lege dir deine Lieblingsmusik auf. Lasse deinen Tag noch einmal vor deinem inneren Auge erscheinen und schreibe drei Erlebnisse oder Begegnungen auf, für die du heute dankbar bist. Das machst du 40 Tage lang und wählst jeden Tag drei verschieden Dinge – egal, wie banal sie dir auch erscheinen.

Unmöglich sagst du? Das Wort “unmöglich” habe ich vor langer Zeit aus meinem Wortschatz gestrichen – das kannst du in “Über mich” nachlesen. Wir nehmen schon so viele Dinge als selbstverständlich. Schon alleine dafür, dass wir eine Mahlzeit haben, können wir dankbar sein. Ich gehe davon aus, dass jeder, der diesen Blog liest, hoffentlich seine Prioritäten so setzt, dass er sich eine Mahlzeit leisten kann. 😉

Neid Gebet
Gebet Quelle:Pixabay

Zum Abschluss will ich noch ein Gebet von der Erzdiözese Wien zitieren:

Gebet
Gütiger Gott, du kennst meine Neidgefühle und meine Eifersucht.
Du kennst auch meine Ohnmacht, diese Gefühle zu überwinden.
Sende mir deinen Geist und durchdringe mit deinem Geist meinen Neid, dass er sich in Dankbarkeit wandelt.
Und durchdringe mit deinem Geist meine Eifersucht, dass die Liebe, die darin steckt, stärker wird als Zweifel und Misstrauen.
Schütze du unsere Liebe, damit sie uns immer tiefer miteinander verbindet.
Und stärke du mein Vertrauen, dass deine segnende Hand unsere Liebe begleitet und bewahrt.
Amen.

Hat dir der Artikel gefallen? Hast du die Dankbarkeitsübung schon ausprobiert? Schreib mir gerne deine Erfahrungen in einem Kommentar! Danke fürs Lesen!

Euer Mike

Autor: Michael Bauer
Korr: Melanie Huemer, Textgespür


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Neid, Vergleichen

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2 Antworten auf „Neid und Eifersucht – Invidia“

  1. Sehr schöner Artikel lieber Mike.
    Da steckt viel drinnen, das überlegt werden will.
    Ich ertappe mich des Öfteren, das ich mich frage, was kann ich tun, damit ich auch in den Genuss komme, diese Freude erlebe wie der andere? Ich denke dann oft, vielleicht hatte sie/er den besseren Coach, oder ……..sie/er packen die Dinge anders an, als ich. Ich glaube hier liegt schon ein deutlicher Unterschied, den auch Veit so mal gesagt hat. Ich glaube, dass Neid ein Ausdruck ist, etwas genauso machen können oder leisten sowie fühlen zu wollen und nur noch nicht wissen, wie wir das anstellen sollen. Es dem anderen erst mal wirklich zu gönnen, sich mit ihm zu freuen, dass schließt ja nicht aus, es auch für mich haben zu wollen. Damit möchte ich nicht genauso gut sein oder besser, sondern mich der gleichen Dinge erfreuen.
    Mal sehen, ob Du mir dazu etwas sagen möchtest. :))

    1. Hallo Gabriele zuerst einmal sry für die späte Antwort irgendwie funktioniert meine Verständigung nicht. Habe jetzt erst wieder mal auf den Artikel geschaut.
      Wenn ich es dem anderen gönne, ist es meines Erachtens egal ob ich es haben will oder nicht, da würde ich nicht unbedingt von Neid sprechen. Die Frage die sich mir stellt, ist, warum benötige ich es auf einmal. Möglicherweise weil er es hat? Ich hab es ja bis jetzt nicht benötigt (materielle Dinge). Wenn es natürlich in Beziehungen geht ist es ein bisschen differenzierter zu sehen. Hier kann es durch aus sein das ich meinen Nachbarn, Freund oder was auch immer seine Beziehung gönne, aber jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Nähe Zuneigung. Hier, wenn ich in mich hinein spüre würde ich eher von Ärger Frustration reden, weil mir das nicht gelingt. Da gilt es die Sichtweise zu ändern.
      Den Blick auf das lenken was ich habe, auch wenn es nicht immer ganz einfach ist.
      LG MIKE

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