Trägheit – eine echte Todsünde oder ein gesunder Wegweiser zu deinen Zielen?

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Mit diesem Artikel möchte ich meine Reihe der Todsünden, oder auch Hauptlaster genannt, fortsetzen.
Mit einigen Vorurteilen in Bezug auf Faulheit aufräumen und gleichzeitig die echte Gefahr hinter diesen Laster benennen.
Fühlst du dich auch manchmal “faul”, träge oder “feige”?
Wenn dem so ist, dann lies bitte aufmerksam weiter. Erkenne das Warum und die Bedürfnisse dahinter – aber auch die Gefahren.

Trägheit wird nicht nur in der christlichen Religion als Laster bezeichnet, sondern ist in allen Religionen zu finden. Sie wird bei den Mönchen als eine der gefährlichsten Sünden eingestuft. Sie hatten wirklich Angst, diesem unauffällig schleichenden Laster zu verfallen.  Bei meinen Recherchen zu diesem Thema bin ich in der Erzdiözese Wien → über einen Artikel gestolpert, der den Ausdruck Mittagsdämon → erwähnt. Dieser Vergleich gefällt mir sehr gut. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es nach dem Mittagessen ist, wieder in die Gänge zu kommen, oder aber auch Kursteilnehmer zu motivieren.

Mir gefällt auch die Theorie in diesem Artikel, wie es zu Trägheit kommen kann. Dieser unterstreicht meine Aussage: “Man kann nicht nichts tun!”

Faulheit – man kann nicht nichts tun!

Trägheit, Faulheit, Pause, Katze
Quelle: Pixabay

Dieser Satz wird sich über den ganzen Artikel ziehen. Als ich ihn das erste Mal bewusst ausgesprochen habe, war es in Verbindung mit Leistung (Ziel erreichen) und Pause einlegen.
Ich bin in einer Gruppe, die sich gegenseitig unterstützt, Ziele zu verwirklichen. Dabei ist es völlig egal, um welches Ziel es sich handelt. In dieser Gruppe, aber auch bei vielen anderen Empathiegesprächen mit Seminarteilnehmer*innen, habe ich oft die Aussage gehört:”Jetzt habe ich gestern schon wieder nichts für mein Ziel getan. Ich war so faul und habe nur gerastet!”

In unserer leistungsgetriebenen Gesellschaft verurteilen wir uns oft selbst, wenn wir Pausen einlegen. Dabei bin ich der Meinung: Ich kann nicht wirklich nichts tun. Mit jeder Entscheidung, die ich treffe, entsteht eine Handlung und somit bin ich aktiv. Das wichtige ist, dass ich diese Entscheidung aktiv und aus freiem Willen treffe. Dies ist der große Unterschied zwischen Faulheit und Trägheit. Ich liebe es manchmal, faul zu sein! Wenn ich “faul” bin, raste ich mich aus. Ich erhole mich – und mache dennoch etwas für mein Ziel! Was, fragst du dich? Ich tanke Energie für den nächsten Schritt und lege dabei Schaffenspausen ein!

Mit Faulheit und Schaffenspausen zu Lösung und Kreativität

Allzu oft vergessen wir, in unserm Tun Schaffenspausen einzulegen. Akedia hat einige Übersetzungen. Eine davon ist, die Unfähigkeit, im Augenblick zu sein. Wir versuchen mit Gewalt kreativ zu sein oder rastlos Lösungen zu finden. Und sind immer unzufrieden mit dem, was ist. Möglicherweise hast du schon selbst die Erfahrung gemacht, dass die beste Inspiration, die beste Idee genau dann kommt, wenn du eine Pause einlegst. Von dem Ziel und der Lösungssuche Abstand nimmst. Dabei bringst du dein verspanntes, geschlossenes System in Entspannung und die Energie kann wieder natürlich fließen. Du bist wieder offen, um Ideen von außen einströmen zu lassen und sie werden kommen. Bei mir oft schneller, als mir lieb ist. Ein ruhiger Geist, so ganz ohne Gedanken, hat schon etwas Anmutiges ;-).

Für mich sind Pausen, Urlaub, Abschalten ein Lebenselixier. Ich kenne die Schattenseite der leistungsgetriebenen Gesellschaft. Lange hielt ich das Burnout für ein Gerücht. Für eine Modeerscheinung. Bis ich selbst – Gottseidank – nur am Rande eines solchen war. Genau das ist die große Gefahr! Wenn du nicht auf deine Grenzen achtest. Nie “Nein” sagst,  aus Angst nicht zu entsprechen oder faul zu wirken. Oder aus Angst um deinen Arbeitsplatz – dann wirst du über kurz oder lang im Burnout landen.

Akedia – Trägheit

Egal aus welchem Grund sich Trägheit einstellt, sie wird immer von den gleichen Gedanken begleitet.

Trägheit, Faulheit, Müde, Koala
Quelle: Pixabay

In der “Gewaltfreien Kommunikation” wird hier von Schuld und Scham gesprochen. In der Wut bin ich im Außen. Wenn ich in Schuld, Scham und Regression verfalle,  bin ich im Inneren. Ich suche das “Fehlverhalten” bei mir.  In der Wut ist der Schuldige für meine Lage mein Gegenüber, die Firma, die Politiker oder generell die Menschheit. Wer auch immer – nur nicht ich.  Wohingegen bei der Schuld oder Scham die Verurteilung nach innen gerichtet wird. Und das ist hier das Interessante daran, denn:
Akedia wird auch mit:”Ich schaffe es nicht”; “ich bin es nicht Wert”; “Hat alles keinen Sinn” übersetzt.

Überforderung, Trägheit, Burnout, Multitasking,
Quelle: Pixabay

Das sind jene Gedanken, die uns zur Überforderung und damit zur Trägheit führen. Ich habe zu Beginn geschrieben: „Fühlst du dich manchmal “faul”, träge oder “feige”?” Ich habe das Wort faul und Feige absichtlich in “” gesetzt, weil das nicht wirklich Gefühle sind, sondern Bewertungen. “Faul” ist wie “feige”ein beurteilendes Wort unserer Leistungsgesellschaft. Leider wird oft nur noch in “schwarz oder weiß”. Das stimmt mich traurig, wenn ich daran denke. Denn wir sind so viel mehr. Für mich ist es schön, das Individuum, den Menschen zu sehen.

Deine Trägheit hinterfragen und anerkennen

Der erste Schritt ist, zu erkennen, was dir deine Trägheit, deine Schuld und dein Schamgefühl wirklich sagen will.

Alles beginnt damit, deine Gedanken: “Ich tue und mache, es wird nicht weniger”, „Ich schaffe es nicht, es hat keinen Sinn!” aktiv zu hinterfragen: Was steckt dahinter?

Ist es deine Angst vor dem Versagen? Oder die Angst davor, nicht gerecht zu werden? Das ist die Ebene der Beurteilung. Nun grabe noch etwas tiefer: Wie fühl ich mich?

Überfordert, erschöpft, träge? Jetzt hast du deine Gedanken erkannt und erkennst deine wahre Gefühle. Gefühle wollen dir immer etwas sagen. Sie zeigen dir dein wahres Bedürfnis. Deswegen gräbst du nun noch etwas tiefer: Warum fühle ich mich überfordert?

Weil was….? Weil ich es fertig haben will, weil ich wieder was finden und Platz haben will?

Und noch tiefer: Was steckt tiefer dahinter?

Es würde eine Last abfallen. Das würde alles leichter und  einfacher machen. Statt Trägheit brauche ich Erleichterung, Leichtigkeit. Nun bist du beim Kern deines Gefühls angelangt – bei deinem ungestillten Bedürfnis.

Zum Schluss kannst du dir noch die Frage stellen:  Was brauche ich, um dorthin zu kommen? Wie fange ich an – Klarheit. Gibt es jemanden der mir helfen kann – Unterstützung.

Sobald du erkennst, was dein Bedürfnis dahinter ist, kannst du dich mitteilen. Entweder bittest du aktiv um etwas oder möglicherweise ist das gar nicht mehr nötig. Mit dieser Erkenntnis entspannt sich dein System und zeigt dir den Weg raus aus der Trägheit.

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Der erste Schritt – Wege aus der Trägheit

Zu erkennen, was du wirklich benötigst ist einer der wichtigsten Schritte heraus aus diesem Gedankenkarussell. Oft gelingt es dir alleine nicht oder es ist schwierig, den ersten Schritt zu gehen. Weil du nicht weißt, wo und wie du anfangen sollst? Ich rate dir: Bitte um Hilfe.

Für alle diejenigen, die so ticken, wie ich getickt und gedacht habe und der Meinung sind: „Um Hilfe zu bitten ist etwas für Weicheier. Nur was ich alleine schaffe, ist was wert!”

Denen sage ich jetzt und heute: “Blödsinn!” Um Hilfe bitten zeigt von Stärke. Damit übernimmst du die Verantwortung für dich und dein Tun. Du bist derjenige, der um Hilfe gebeten hat. Von dir ging die Initiative aus. Dazu kommt, dass der Mensch ein Herdentier ist. Zusammen sind wir um so vieles kreativer und um so vieles wirksamer!

Zurück zum Thema. Wenn mich jemand fragt, wo er anfangen soll, dann sage ich: “Egal wo! Wichtig ist, dass du anfängst. Jeder erste Schritt führt dich näher zum Ziel und somit zu dir!”

Ich vergleich das gerne mit dem Ausmisten oder Zusammenräumen. Ich schiebe das Aufräumen meines Schreibtisches gerne auf die lange Bank. Je länger ich es aufschiebe, umso weniger will ich es machen. Weil es mir schier unmöglich scheint Ordnung rein zu bringen. Weil ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Weil mein Blick nicht im Hier und Jetzt ist, sondern im schier unendlichen Haufen auf dem Tisch in der Zukunft. Welche Mühsal das sein wird, diesen aufzuräumen.

Aber jeder Handgriff mit dem Fokus auf das Zusammenräumen, mit dem Fokus auf das Hier und Jetzt ist ein erster Schritt. Ich merke, wie sich die Anspannung auflöst und in ein freudiges Tun verwandelt.

Fokus, Ordnung, Struktur, Pausen

Mir hilft bei diesem Thema noch sehr stark, Ordnung und Struktur zu haben.
Beim Anblick mancher Ziele, oder Arbeiten werden wir regelrecht von der Masse erschlagen. Hier ist es für mich wichtig, meinen Fokus zu halten, wenn ich mich für den ersten Schritt entschieden habe. Ordnung und Struktur nach und nach rein zu bringen.

Start, Anfangen, Beginn, Entwurf
Quelle: Pixabay

Wenn ich mich entschlossen habe, endlich meinen Schreibtisch zu ordnen, fange ich einfach an und lasse mich leiten. Währenddessen bekomme ich langsam einen Plan. Wie etwa: “OK, jetzt kümmere ich mich um meine Finanzen und ordne diese. Dann um meine Notizen zu Artikeln oder Seminaren …” Das funktioniert bei mir in allen Situationen, auch bei größeren Vorhaben. Damit erfülle ich mir zwei Bedürfnisse gleichzeitig: Ordnung und Struktur aber auch Spontanität und Abwechslung.

Ordnung und Struktur helfen mir nicht nur bei meinen Aufgaben, sie sind auch starke Verbündete gegen Trägheit. Wenn ich keine Ziele habe, keinen Tagesablauf, werden meine Gedanken wie ein Blatt im Wind hin und her geweht und ich kommen nicht ins Tun. Ich sehe die Menge an Arbeit, die ich nicht schaffe und eine Abwärtsspirale mit den oben erwähnten Gedanken beginnt. Wenn ich mir aber einen groben Tagesablauf mit ein paar Eckpunkten gesteckt habe und einer Struktur folge, so kann ich auf dem Fluss des Lebens surfen. Ich schaue wohin er mich trägt – das lässt mich spontan sein. Zugleich bleibe ich aber der Akteur. Damit kann ich aktiv am Leben mitwirken und es selbst bestimmen.

Das hält die Verbindung zu mir, meinem göttlichen Selbst aufrecht und beflügelt mich.

Feigheit

Ich habe diesen Satz heute schon mal geschrieben:

“Man kann nicht nichts tun”

Das ist in punkto Feigheit ein genauso zutreffender Satz wie bei der Faulheit. Hier hat dieser Satz noch viel mehr Gewicht. Denn egal ob feig oder faul – beides sind Bewertungen der Gesellschaft. Es ist wichtig, zu deinen Entscheidungen zu stehen. Das gilt genauso bei diesem Thema.

Wenn ich eine übergriffige Situation sehe oder in einer Situation gerate, die mir nicht angenehm ist, habe ich das Recht und die Pflicht, mir selbst gegenüber treu zu bleiben und es auszudrücken. Ich darf mich nicht hinter den Worten “Es hat doch eh keinen Sinn, ich kann nichts ausrichten” verstecken. Denn selbst wenn ich wegschaue, zurückstecke, mich verbiege, ist das ein Handeln. Wie gesagt, ich kann nicht nichts Tun!

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Grenzen und Mut

Persönliche Grenzen zu kennen und zu wahren ist wichtig. Mut hat nichts damit zu tun sich unbedacht in Gefahr zu bringen. Wenn ich sehe, wie eine Bande von zehn Menschen auf einen einzelnen losgehen, darf ich weder wegschauen, noch gegen meine Angst agieren und mich laut brüllend in das Gemetzel zu werfen.

Aber: Ich kann nach meinen eigenen Möglichkeiten handeln und Hilfe holen. Alles ist besser als wegzuschauen. Doch wenn ich es tue, dann in Ehrlichkeit zu mir selbst. Ich gestehe mir ein, was mich wirklich dazu bewegt, weg zu schauen: Meine Angst um mein Leben. Meine Angst um mein Kind, wenn ich auffalle beim Hilfe holen. Mein Bedürfnis nach Sicherheit.

Was auch immer, aber: Ich übernehme die Verantwortung für mein Handeln und schiebe keine fadenscheinigen Gründe vor.

Feigheit kann aber noch andere Facetten haben. Es muss nicht immer nur um Zivilcourage in Gefahrensituationen gehen. Ich bin oft für das, was mir wichtig war, nicht eingestanden. Weil ich Angst hatte, dass die Freundschaft oder die Harmonie darunter leidet. Wenn ich daran denke, macht mich das traurig – obwohl ich es verstehe und damit im Reinen bin. Denn das schönste Geschenk und die höchste Wertschätzung, die du in Beziehungen aufbringen kannst, ist bedingungslose Ehrlichkeit –  deine Gefühle und Bedürfnisse klar darzulegen.

Dir deiner Trägheit, Faulheit und Feigheit bewusst werden

Egal ob Faulheit, Trägheit oder Feigheit: Wir haben immer die Wahl, uns für dieses oder jenes zu entscheiden. Das darfst du anerkennen.

Noch einmal “Du kannst nicht nichts tun”.

Es liegt in deiner Entscheidung, ob du rastest oder arbeitest. Ob du stehen bleibst oder den ersten Schritt tust.  Ob du wegschaust oder Handlungen setzt. Es liegt bei dir!

Mit jeder Wahl beeinflussen wir unser Leben und das Leben anderer Menschen. Wir sind nun mal verbunden und unser Handeln hat Einfluss auf alles, was geschieht. Werde dir dessen bewusst – und setze auch deine nächsten Handlungen bewusst. Dann wird das Miteinander wertschätzender und bereichernder für uns alle!

Danke dafür!

Alles Liebe,
dein Mike von Rückkehr zum Frieden!


PS: Es erscheint heuer noch ein acht tägiger Workshop zum Thema die siebe Hauptlaster und was sie dir sagen wollen.

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Alles Liebe Mike!

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